Prussia Ortsakten

Die reiche archäologische Sammlung des Prussia-Museums in Königsberg in Ostpreußen und mit ihr das Ortsarchiv der Provinz galten nach dem Zweiten Weltkrieg als vollständig verloren. Erst nach der politischen Wende 1989/1990 wurden große Teile der Königsberger Archivalien und Funde in Berlin wiederentdeckt. Insbesondere die zahllosen Dokumente waren zu diesem Zeitpunkt durch die jahrzehntelange unsachgemäße Lagerung stark in Mitleidenschaft gezogen. Sie wurden am Museum für Vor- und Frühgeschichte konservatorisch behandelt und neu geordnet. Heute stehen sie als Prussia-Archiv der modernen Forschung wieder zur Verfügung. Der archäologisch umfangreichste Teil sind die sogenannten Ortsakten. Dabei handelt es sich um fundortbezogene Materialsammlungen, die sich aus der Neuordnung der erhaltenen Dokumente ergeben haben. Sie werden pro Fundort in einer oder mehreren Jurismappen aufbewahrt. Der Inhalt einer solchen Mappe wird als Aktenband bezeichnet. Die Ortsakten enthalten großteils handschriftliche Korrespondenzen, Grabungsberichte, Fundverzeichnisse, Notizen, Fotos, Zeichnungen usw. Sie umfassen in über 2.100 Aktenbänden insgesamt 20.510 Einzelblätter mit Informationen zu gut 2.000 Fundorten in 36 ostpreußischen Kreisen. Die ältesten Dokumente reichen zurück bis 1826, die jüngsten gehören in die 1940er Jahre.