Dokument des Kreises Heydekrug

Ein neuzeitlicher Gürtel und eine Fibel aus Sziesze

von Christine Reich

 

Vorder- und Rückseite des Briefes von H. Bratkus zu Funden aus der Gegend von Heydekrug (PMA_1588_01.pdf: Seite 2 und 3). © Museum für Vor- und Frühgeschichte, Staatliche Museen zu Berlin. 
Vorder- und Rückseite des Briefes von H. Bratkus zu Funden aus der Gegend von Heydekrug (PMA_1588_01.pdf: Seite 2 und 3). © Museum für Vor- und Frühgeschichte, Staatliche Museen zu Berlin.

In dem hier vorgestellten Brief vom 1. August 1929 an das Prussia-Museum berichtet der Student H. Bratkus, dass sein Bruder „am 17.VII 29. […] einen Kupfergürtel und einen Stern gefunden“ habe. Beide Stücke skizziert er auf der Rückseite. Er verknüpft diese Meldung mit der Anfrage, „ob es möglich ist, daß sich in der Nähe von Heyde-[/]krug bei dem Dorfe Sziesze eine Grabstätte aus der [/] Schwedenzeit befindet. Der Hügel liegt am Unter-[/]lauf (links) des Flüsschens Sziesze und wird als [/] „Schwedengrab“ bezeichnet. Man spricht aber auch [/] von einem Pestkirchhof.“ Auch wenn er nicht explizit erklärt, dass die beiden Stücke von diesem Fundplatz stammen, ist aber wohl davon auszugehen.

Im Antwortschreiben vom 7. August 1929 (PMA_1588.pdf: Seite 4) wird mitgeteilt, „ob sich bei Heydekrug ein „Schwedengrab“ oder ein Pestfriedhof befindet, lässt sich von hier aus leider nicht bestimmen“. Die Fundstelle war also offenbar noch nicht bekannt. Bratkus wird gebeten, die Funde zur Beurteilung einzusenden. Ob dies geschah und ob die beiden Stücke jemals ins Prussia-Museum gelangt sind, wissen wir nicht. Sie können heute in den Berliner Beständen der Königsberger Sammlung jedenfalls nicht nachgewiesen werden.

Die rekonstruierte Ortsakte, in der die Dokumente heute zusammengefasst sind, trägt den Titel „Heydekrug, Gegend von“. Dass es sich bei dem Fundort um den sogenannten „Schwedenfriedhof“ bei Sziesze (auch: Schieß; heute Šyša, raj. Šilutė) handeln dürfte, konnten Rasa Banytė-Rowell und Darius Barasa zeigen (Rasa Banytė-Rowell u. Darius Barasa, Šyšos švedkapių radiniai – įvadas į lokalinės istorijos tyrimus. In: Archaeologia Lituana 13, 2012, S. 129-150). 1954 wurden dort bei Drainagearbeiten drei Skelettgräber mit Beigaben gefunden, die heute im Museum der Stadt Šilutė (Heydekrug) aufbewahrt werden. Darunter war eine Gürtelplatte, die eine genaue Parallele zu dem von Bratkus skizzierten Stück darstellt. Möglicherweise gehörten beide Gürtelplatten sogar zum selben Gürtel. Ähnliche Kompositgürtel, die aus miteinander durch Ösen verbundenen, länglichen Metallplättchen und verzierten Gürtelplatten bestehen, fanden sich auch im Friedhof von Rusnė, in direkter Nachbarschaft von Sziesze/Šyša. Sie lassen sich in das 16. und 17. Jahrhundert datieren und sind lokale Varianten einer Mode, die in dieser Zeit in ganz Europa florierte. Ähnliches gilt für die Ringfibel: Sie ist eine Mischform von sternförmigen und rosettenförmigen Varianten, die vom Ende des 14. bis in das frühe 16. Jahrhundert auftreten. Damit wäre sie zwar etwas früher anzusetzen als der Gürtel, jedoch scheint es nicht ausgeschlossen, dass beide trotz unterschiedlichen Alters zu einer Bestattung gehörten.