Dokument des Kreises Pillkallen

Ein Bronzebeil aus Uszrudszen

von Christine Reich

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Brief des Lehrers Ziemann an das Prussia-Museum aus der Akte „Uszrudszen, Kr. Pillkallen“ (PMA_0643_01.pdf: Seite 2). © Museum für Vor- und Frühgeschichte, Staatliche Museen zu Berlin.

Transkription:

[Seite 2 : Brief]

[Oben rechts hs.:] Pillkallen, d. 5.4.32 [/] Prussia-Museum [/] Königsberg i Pr.

[Ganzseitig hs.:] Dem Prussia-Museum übersende ich hiermit [/] eine Bronzeaxt und einen Bericht über den Fund. [/] Der Besitzer des Fundes Trichinenbeschauer Winnat [/] Uszpiaunen Kreis Pillkallen ist nicht bereit den [/] Fund herzugeben. Ich bitte deshalb um Rücksendung [/] nach Kenntnisnahme an den Eigentümer. [/] Ziemann, Oberschullehrer [/] Pillkallen Ostpr. [/] Schirwindterstr. 7.

In dem hier vorgestellten Brief aus der Ortsakte „Uszrudszen, Kr. Pillkallen“ vom 5. April 1932 meldet der Oberschullehrer Ziemann den Fund eines Bronzebeils durch den Trichinenbeschauer Winnat. Solche Briefe sind sehr typisch für die Prussia Ortsakten, wenn auch viel häufiger der Fund von steinernen Beilen oder Äxten angezeigt wird. Hier handelt es sich jedoch nur um das Anschreiben für das Beil, das zur fachlichen Beurteilung eingesandt wird, und für einen separaten Bericht zu den Fundumständen. Dieser Fundbericht hat sich leider nicht erhalten. Auch das Beil gilt heute als verschollen.

Es gibt in der Akte jedoch einige weitere Briefe und Notizen zu diesem Vorgang. Aus ihnen wird deutlich, dass das Beil im Prussia-Museum begutachtet und am 26. Mai 1932 wieder an den Fleischbeschauer Winnat zurückgeschickt wurde. Im Sommer desselben Jahres erfolgte offenbar eine Untersuchung der Fundstelle, in deren Folge Winnat das Beil dem Museum gegen eine Prämie überließ, wie aus einem Dankesschreiben an ihn vom 11. Juli 1932 hervorgeht. Eine der Notizen besagt, dass das „Original durch Dr. Engel erhalten, [und] dafür 5,00 Mk als Fundprämie gezahlt“ wurden. Das Stück wurde unter der Nummer VII, 377, 12514 inventarisiert. In der Notiz findet sich auch eine kurze Beschreibung. Danach handelt es sich um ein „Rand[leisten]beil, ostbalt. Typ. g[an]z.[e] Länge 14,5cm, […] gr. Breite 7,1cm.“

Da das Beil von Carl Engel entgegengenommen wurde, kann mal wohl davon ausgehen, dass er derjenige war, der die oben erwähnte Untersuchung der Fundstelle vorgenommen hat. In seinem Werk „Vorgeschichte der altpreußischen Stämme“ aus dem Jahr 1935, erschienen in Königsberg, verzeichnet er das Beil auf Seite 330 unter Nummer 65 der „Randbeile vom ostbaltischen Typus“. Zu den Fundumständen heißt es „Moorfund 1932 in -1,1 bis -1,2m Tiefe“. In der Akte findet sich auch eine Lageskizze. Ein Ausschnitt aus dem Messtischblatt wurde abgepaust und darauf die Fundstelle des Beils markiert. Von wem die Skizze angefertigt wurde, bleibt unklar. Vermutlich geht sie auf die Untersuchung der Fundstelle durch Engel zurück und gehörte zu seinem Bericht. Auch dieser ist leider nicht erhalten. Daher bleibt auch unbekannt, was es mit dem auf der Skizze ebenfalls eingezeichneten „Brandgrab“ auf sich hat. Dass ein Zusammenhang mit dem Bronzebeil besteht, ist unwahrscheinlich.

Aufgrund der in der Akte „Uszrudszen, Kr. Pillkallen“ erhaltenen Dokumente kennen wir nur die Maße und die generelle Form des Beiles. Glücklicherweise existiert aber ein Foto in einer anderen Quelle. Dabei handelt es sich um den Nachlass von Carl Engel, der heute im Seminar für Ur- und Frühgeschichte der Georg-August-Universität Göttingen aufbewahrt wird.

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Karteikarte mit Randleistenbeilen aus dem Göttinger Nachlass von Carl Engel (CEnA 1618). Das zweite von links ist das Beil aus Uszrudszen. © Seminar für Ur- und Frühgeschichte Göttingen.

Das Foto des Beils ist inzwischen auch publiziert (Kirsti Stöckmann, Immo Heske u. Christoph Jahn, Bronzezeitliche Metallfunde aus Ostpreußen. Berliner Beiträge zur Vor- und Frühgeschichte 26 [Berlin 2021] S. 243, Tafel 4,47). Die Autoren ordnen das Stück dem Typ Dębowiec, Variante A zu und datieren es in den Zeitraum von der späten Periode II bis in Periode III/IV, also etwa in die Zeit von 1400-900 v. Chr.