Dr. Bodo Ohlsen

Erzählen Sie kurz etwas über sich, zum Beispiel über ihren früheren Beruf, ein Hobby oder etwas, das Ihren Lebensweg prägte bzw. für Ihr Leben heute von Bedeutung ist!

 „Jung, schriew dat man en beten up“ hatte mein Vater mir nahegelegt, als im Frühjahr 1945 der Krieg zu Ende ging und unser Haus am Stadtrand von Grevesmühlen für einige Monate Schauplatz der Demilitarisierung Nordwestmecklenburgs wurde. Zu diesem Zeitpunkt war ich elf Jahre alt. Mein Interesse für Geschichte war geweckt und auch Begegnungen mit der Archäologie ließen nicht lange auf sich warten. Beruflich entwickelte ich mich dann doch in eine andere Richtung: ich wurde Zahnarzt. Meinem weiterhin vorhandenen Interesse an Geschichte und Archäologie ging ich seit Ende der 1960er Jahre als ehrenamtlicher Bodendenkmalpfleger für das Museum für Ur- und Frühgeschichte Schwerin nach. In einer großen vorgeschichtlichen Siedlungskammer konnte ich bislang mehrere hundert Fundmeldungen vornehmen. Daneben war ich auch auf dem Gebiet der Ornithologie und der Kleinsäugerforschung aktiv.

 
Dr. Bodo Ohlsen mit seiner Lebensgefährtin Katharina Kilian 2018 im Archiv des Museums für Vor- und Frühgeschichte. Foto: Horst Junker, Berlin. 
Dr. Bodo Ohlsen mit seiner Lebensgefährtin Katharina Kilian 2018 im Archiv des Museums für Vor- und Frühgeschichte. Foto: Horst Junker, Berlin.

Was hat Sie 2014 zu der Entscheidung bewogen, das Transkriptionsprojekt zu unterstützen?

Geschichte, Archäologie und Naturkunde haben bis heute Bedeutung für mein Leben. Durch einen Artikel in der Preußischen Allgemeinen Zeitung bekam ich Kontakt zum Transkriptionsprojekt und damit zu den Ortsakten aus dem Prussia-Museum in Königsberg. Neben meinen Kenntnissen der deutschen Schrift und der Vor- und Frühgeschichte spielte auch meine Zuneigung für das verlorene Ostpreußen eine Rolle. Meine Lebensgefährtin stammt aus Pillau.

Wie sehen Sie das Transkriptionsprojekt heute? Was empfanden Sie als bereichernd oder besonders interessant? Welche Herausforderungen oder Schwierigkeiten galt es zu überwinden?

Es freut mich, dass ich neben der bodendenkmalpflegerischen Feldarbeit im Kreis Grevesmühlen durch meine achtjährige Mitarbeit im Transkriptionsteam des Berliner Museums für Vor- und Frühgeschichte einen Beitrag zur Erschließung und Bewahrung des archäologischen Wissens einer weiteren kulturhistorisch bedeutsamen Ostseeregion leisten konnte. Die Forschungsgeschichte Ostpreußens ist enorm reichhaltig. Sie in die Gegenwart zurückzuholen und für die Zukunft zu sichern, war eine Aufgabe, die gerade noch rechtzeitig geleistet werden konnte.